Jugendhaus Roßwein e.V.

Rückblick

 

Die letzten Monate und Jahre standen ganz im Zeichen eines umfassenden Veränderungsprozesses. Der Weg zu dem Punkt an dem wir uns jetzt befinden, war keineswegs ein einfacher. Es galt, eine Vielzahl von Problemen zu bewältigen, sowohl finanzieller, personeller, als auch organisatorischer Natur. Es wurden Gelder beantragt, neue SozialpädagogInnen eingestellt und es konnte ein generationsübergreifender Helferpool etabliert werden, der bis dato sehr kostbare ehrenamtliche Arbeit leistet. Wir schulden euch unseren Dank. Ohne euch wären wir nie so weit gekommen.

Es gibt allerdings ein weiteres Problem, welches es zu bewältigen gilt. Eines, dass schon wesentlich länger existiert, als dies Zeit des Umbruchs, in der wir uns derzeit befinden:

 

Das Vorurteil

 

Demnach seien unsere Mitglieder Drogendealer, Asoziale, Diebe, Linksradikale, Vandalen, deren liebste Beschäftigung es ist, das Stadtbild zu verunstalten, Steuergelder zu verschwenden und unsere Kinder und Jugendlichen zu indoktrinieren. Allesamt Vorurteile mit denen wir in der Vergangenheit bereits konfrontiert wurden. Typischerweise werden solche Vorurteile von Menschen geteilt und weitergetragen, die selbst noch kein einziges unserer Angebote wahrgenommen haben. Einige dieser Menschen sehen den bunten auffälligen Irokesen-Haarschnitt in der Ferne und wissen natürlich ganz genau, was das für ein Mensch ist. Manch einer konnte sogar schon leere Bierflaschen in der Nähe des Jugendhauses ausmachen und das auch noch im Rahmen einer abendlichen Konzertveranstaltung. Klare Sache: „links- versiffte Chaoszustände“.

Aber was würde man vielleicht zu Gesicht bekommen, wenn man dem Ganzen eine Chance gibt? Sich näher herantraut.

 

Die Tatsachen

 

Wir sind Träger der freien Jugendhilfe im Rahmen des § 11 SGB VIII und stellen neben Kita, Schule und Hort ein alternatives Freizeit- und Bildungsangebot bereit. Unsere Soziale Arbeit bewegt sich im Rahmen einer offenen Kinder- und Jugendarbeit. Besonderes Interesse gilt an dieser Stelle dem arbeitsfeldspezifischem Prinzip der Offenheit, denn es stellt ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Kita und Schule dar. Angebote können bedürfnisorientiert und unabhängig von Lehr- und Entwicklungsplänen gestaltet werden. Dadurch entstehen Freiräume in denen Platz für die Ideen der Kinder und Jugendlichen nutzbar wird.

Wir leben in einer Gesellschaft in der gute Leistungen viel zu oft als Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden. In der Fehler immer öfter vor dem Hintergrund einer unerreichten Norm gestellt und beurteilt werden. Menschen machen Ausgrenzungserfahrungen, weil sie der Vorstellung der Mehrheitsgesellschaft von einer vermeintlich angemessenen Normalität nicht entsprechen. Das beginnt schon in jungen Jahren. Kinder finden keine Freunde, weil ihnen ihre Eltern die teure Markenkleidung nicht finanzieren können und sie eben nicht die neueste Multimediatechnik im heimischen Wohnzimmer stehen haben.

Der Jugendhaus Roßwein e. V. bietet eine Anerkennungskultur in der die starren Grenzen von Selbstverständlichkeit durchbrochen werden und stattdessen der individuelle Erfolg der eigenen persönlichen Leistung gesehen, geschätzt und in den Rahmen unserer Angebote eingebettet wird. Fehler werden hier als Notwendigkeit für den individuellen Lernprozess der Kinder gesehen. Zudem wollen wir Mechanismen sozialer Ausgrenzung entgegenwirken. Ausgrenzung führt zu Einsamkeit. Der daraus resultierende Wunsch nach Zugehörigkeit wird nicht selten von rassistischen und menschenverachtenden Strukturen dazu missbraucht, um Betroffenen eine eben solche Weltanschauung schmackhaft zu machen. Insbesondere mit Rückblick auf die jüngst durchgeführten Bundestagswahlen 2017 und dem damit einhergegangenen Wahlerfolg der AFD, sehen wir unsere Aufgabe umso mehr in der Prävention sozialer Ausgrenzung und den damit bereits benannten Folgen. Ein Grund mehr, um an den Stärken unserer BesucherInnen anzuknüpfen und darauf aufzubauen. Mit den vorab beschriebenen Gedanken im Hinterkopf, können Defizite nicht länger der Maßstab sein.

 

Ausblick

 

Letztendlich bin ich mir natürlich im Klaren darüber, dass es uns wohl nicht möglich sein wird alle Vorurteile gegenüber uns vollends abzubauen. Es wird auch weiterhin Menschen geben, die in uns das sehen was sie sehen wollen und wir sind realistisch genug,um das zu erkennen. Trotz allem werden wir uns weiterhin gegen Vorurteile stark machen, insbesondere wenn diese auf dem Rücken unserer BesucherInnen lasten.

 

 

Autor: S.Buttler

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DI 13:00-17:00
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Wir sind werktags telefonisch ab 10:30 unter 034322/44671 erreichbar.

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